Depression ist allgegenwärtig und trotzdem ein großes Tabuthema. Ich habe eine klare Meinung dazu und möchte an die Gesellschaft appellieren.

Ich möchte davonrennen, doch bin unfähig. Ich bin gefangen in schrecklichen Schwaden der Antriebslosigkeit, die meinen Körper lähmen. Während mein Umfeld in dreifacher Geschwindigkeit an mir vorbeirast, tickt meine innere Uhr in Zeitlupe. Jeden Gedanken, der mir in den Sinn kommt, beleuchte ich vor innerem Auge und verkopfe mich in Negativ-Schleifen, bis ich vor Anstrengung dem Schlafdrang erliege. Ich bin leer. Alles erscheint sinnlos. So liege ich da kraftlos in den Klauen der Depression.

Mit beschriebenem Laster kämpfen immer mehr Menschen. Auch ich ringe häufig mit meiner emotionalen Verfassung. Ich würde mich nicht als depressiv bezeichnen, aber empfinde seit ich denken kann eine dauerhafte Melancholie, die sich mal stärker und mal schwächer zeigt. Ich durchlebe negative Phasen, sehe mich mit Ängsten konfrontiert und hatte bereits Momente in meinem Leben, in denen ich meinen Zustand als äußerst kritisch beschreiben würde. Ich bin froh, dass ich trotz allem nicht vergessen habe, Glück zu empfinden und dass ich mit den vielen Lebewesen (Menschen, Tieren und der Natur) in meinem Umfeld einen Antrieb habe, der mich am Morgen aufstehen lässt. Meine Musik ist mein Ventil, das negative Emotionen in Positive verwandelt. Dennoch weiß ich aus vielen unterschiedlichen Phasen und Momenten meines Lebens, wie es sich ganz weit unten in diesem hoffnungslosen Krater anfühlt. Allein die Vorstellung daran keinen Ausweg herauszufinden, erfüllt mich mit erschreckender Leere. Depressive Menschen durchleben genau dieses Schicksal.

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Immer mehr Menschen leiden unter Depressionen. Die Ursachen sind vielfältig: Genetik, biologische Voraussetzungen, vergangene Erlebnisse und psychologische Einflüsse. Dennoch frage ich mich manchmal, ob Depressionen nicht eine logische Konsequenz der heutigen Zeit sind. Auf der einen Seite leben wir in einer Leistungsgesellschaft, die unsere Gedanken vernebelt und uns jeglichen Weg zur Entschleunigung verwehrt. Es zählt der Profit, nicht das Wohlbefinden. Auf der anderen Seite werden wir laufend mit den größten nur vorstellbaren Schreckensbildern konfrontiert. Hungersnöte, Kriege, Naturkatastrophen, ausgebeutete Menschen und Tiere. Mich macht die Zeit, in der wir leben und das Gefühl nur wenig bewegen zu können sehr traurig. Menschen an denen all jenes spurlos vorübergeht, kann ich nicht verstehen. Ist es nicht ein Zeichen von Empathiefähigkeit sich mit depressiven Phasen konfrontiert zu sehen? Ist es nicht ein Zeichen dafür, dass man nicht verlernt hat zu fühlen? Natürlich ist der Unterschied zwischen negativen Gefühlen und Depression ein großer. Dennoch glaube ich, dass viele Probleme der Moderne Depressionen fördern.

Depression Beitragsbild

Das Thema Depression ist ernst. Wenn ich so manche Menschen darüber sprechen höre, fällt es mir schwer die Beherrschung zu bewahren. Betroffene werden als faul, zu sensibel und Psychos abgestempelt. Doch es geht bei Depression nicht darum lieber im Bett zu liegen, anstatt zu arbeiten. Es geht darum unfähig zu sein aufzustehen. Depressive Menschen wären froh, wenn sie unbekümmert einer Arbeit nachgehen könnten. Es geht nicht darum weich oder hart zu sein. Allein die Vorstellung, dass emotionale Kühle mit etwas Positivem gleichgesetzt wird, empfinde ich als abstoßend.

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Ich möchte an jeden appellieren negative Gefühle betroffener Menschen ernst zu nehmen und Verständnis aufzubringen. Das letzte was sie brauchen sind Vorwürfe und Unverständnis. Ich möchte jedem Betroffenen, der diese Zeilen vielleicht gerade liest, Kraft schenken: Du bist ein toller Mensch. Vielleicht kannst Du nicht immer funktionieren, wie es unsere Gesellschaft von Dir erwartet, dafür kannst Du noch fühlen. Eine Fähigkeit, die der Großteil längst verlernt hat.