Der Kapitalismus beschert uns Luxus und Wohlstand. Doch ist das die ganze Wahrheit?

Zum Abendessen dinieren wir wie die Könige in erstklassigen Restaurants und genießen die haute Cuisine des gesamten Globus. Hummer, Kaviar und Kobe Steak. Für unseren Gaumen ist uns nichts zu teuer. Distanzen werden durch Containerschiffe und Frachtflieger nichtig. Abends lassen wir uns in palastartigen Eigenheimen nieder, die problemlos Lebensraum für 10 Familien bieten könnten. Ein leistungsstarker Motor mit Vierrädern zeigt, dass wir uns in der Gesellschaft einen Namen gemacht haben. Der Stern auf dem Kühlergrill bringt uns dem Himmel im wahrsten Sinne des Wortes zum Greifen nahe.

Eigentlich können wir den Kapitalismus nur lieben, wo wir uns tagtäglich im warmen Glanz der Goldunzen sonnen. Wäre da nicht ein großes Problem: Kapital kann nicht aus dem Nichts erzeugt werden. Es gibt keinen Geldhahn, den wir solange aufdrehen können, bis jeder im Geld badet. Wir können zwar Geld drucken, doch fördern damit letztlich nur die Inflation und senken den Wert.

Anzeige

Woher kommt also unser Luxus, den wir faktisch jeden Tag genießen? Die Wahrheit ist, dass wir kein System geschaffen haben, das Reichtum und Kapital erzeugt, sondern eines, das das Kapital so umverteilt, dass am Ende alles in unseren Händen landet. Wir ziehen die übrigen Reserven aus der Natur und quetschen die letzten Münzen aus dem Rest der Welt, um es in unseren Industriestaaten zu bunkern und damit um uns zu werfen. Wir verschieben die Relevanz und statt Nächstenliebe oder Naturverbundenheit wertzuschätzen, versklaven wir uns Tag ein und Tag aus für große Konzerne, um auf der Karriereleiter nach oben zu klettern. Sie gleicht heute einer Nahrungskette. Wenn Du nicht schnell genug bist, wirst Du gefressen.

Was bleibt sind Ruinen, Schlachtfelder, gerodete Wälder und verseuchte Meere. Was bleibt, ist stumpfer und liebloser Luxus, während der Großteil der Erde in Armut versinkt. Zum Glück steht uns der Kapitalismus wie ein großer Bruder zur Seite. Mit Skyscrapern verdeckt er uns die Sicht auf das Elend. Auf Bildschirmen erzählt er uns Geschichten vom schönen Leben. Das hilft gegen das schlechte Gewissen.

Im Kapitalismus dreht sich nicht nur alles um den Geldschein, sondern vor allem um den Anschein. Um den Schein, dass alles gut ist.

Anzeige