Fritz ist nicht nur ein Gorilla. Er steht sinnbildlich für das endlose Leid, das Tiere in Gefangenschaft erfahren und macht deutlich wie wichtig Kritik am Zoo ist.

1963 öffnete der Menschenaffe im warmen Kamerun erstmals seine verklebten Augen. Geborgen im dichten Geäst des Dschungels genoss er seine ersten 3 Lebensjahre. Frei von Sorgen konnte er seinen Instinkten folgen und nahm einen wichtigen Part in seiner Familie ein. Damals wusste er noch nichts von seinem größten Feind. Er wusste nicht, dass es ein Lebewesen gibt, das alle anderen Spezies rücksichtslos zu unterwerfen versucht. Ich hätte ihm so sehr gewünscht, dass ihm diese Erfahrung für immer erspart geblieben wäre.

Leider kam alles anders. Eines Abends sah er erstmals einen Menschen und lernte sofort die Grausamkeit, zu welcher dieser im Stande ist, kennen. In einem regelrechten Blutbad wurde seine Familie mit Macheten und Geschossen getötet. Er selbst geriet in Gefangenschaft. Dieser Moment war es, der sich auf ewig traumatisch in das Gehirn des liebevollen Zweibeiners meißeln sollte. Die Familie steht für Gorillas an erster Stelle und so war sein Leben von dieser Zeit an von purer Sinnlosigkeit geprägt. Niedergeschlagen von der unendlichen Traurigkeit ging es für ihn direkt in den Transporter und ab nach Deutschland.

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Willkommen in Deinem neuen “Zuhause”

Als er im Tierpark Hellabrunn ankam, war nichts mehr wie früher. Die Familienidylle war verstummt. Die Einsamkeit und der Verlust brannten von innen heraus. Er wollte toben, brüllen und schreien. So sprang er und rannte bis er nach wenigen Metern mit der harten Scheibe kollidierte. Er verstand nicht, was ihm da den Weg versperrte und wollte sich dennoch zurückziehen und verstecken im tiefen Geäst. Er wollte schnell nach Hause, doch er fand nichts, was seiner einstigen Heimat glich. Also drehte er sich um sich selbst, hämmerte auf seine Brust, wurde überwältigt von der Verzweiflung und brach erst nach Stunden vor Erschöpfung zusammen.

Was er zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnte, ist dass dieses schreckliche und einengende Umfeld für 4 Jahre sein einziger Lebensinhalt sein wird. Dass er seinen geliebten Dschungel nie wieder sehen wird, war ihm nicht bewusst.Der Mensch hatte ihm alles geraubt, was er liebte. Seine Familie, seine Heimat, seine natürlichen Instinkte. Täglich traten sie vor seine Scheiben und starrten ihn an. Er verstand nicht, wieso sie das taten, doch es verunsicherte ihn zutiefst. Kinder hämmerten spöttisch gegen die Scheibe und er wusste nicht, wie er darauf reagieren sollte. Jeden Tag bewegte sich sein Gemütszustand zwischen unbändiger Traurigkeit und hemmungsloser Wut.

kritik am zoo

Ein Funken Hoffnung?

Eines Tages wurde die Routine gebrochen. Etwas schien anders zu sein. Der Wärter brachte kein Essen und stattdessen, versammelten sich noch früher als sonst einige Menschen wild gestikulierend vor seinem Gehege. Er spürte sofort, dass etwas nicht stimmte. Doch schlimmer konnte es eigentlich nicht werden. Also verspürte er das erste Mal einen kleinen Schimmer von Hoffnung. Wieder wurde es dunkel und er fühlte sich erinnert an seinen ersten Transport. Kurz darauf fand er sich wieder im Nürnberger Tiergarten. Anderer Ort, gleiches Leid. Jeden Tag der gleiche Ablauf, jede Sekunde die gleiche Sehnsucht. Mit 14 Jahren wurde Fritz sehr früh unfruchtbar. Dieses Phänomen tritt häufig bei in Gefangenschaft lebenden Tieren auf. Auch seine 6 Kinder konnten ihm keinen neuen Lebenssinn schenken, da sie jeweils in anderen europäischen Zoos das gleiche triste Schicksal ereilte. Im Jahr 2018 starb Fritz mit 52 Jahren. Er wurde deutlich älter als die meisten anderen Artgenossen, die in Gefangenschaft lebten. Trotz seiner Ausdauer, machte dies sein Leben kein Stückchen besser. Jede Lebenssekunde glich einer Tortur.

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Wenn Dich die Geschichte von Fritz berührt, dann solltest Du Dir bewusst machen, dass dies das Schicksal aller Zoo-Tiere ist. Sie alle gehören nicht hinter Gittern, sondern in die Freiheit. Sie sollten ihren Instinkten folgen und im Einklang mit der Natur leben. Wenn Du das nächste Mal in einem Zoo bist, blick den Tieren in die Augen und versuch Dich in Ihre Köpfe hineinzuversetzen. Ich hoffe Du kannst danach aus Überzeugung sagen, dass dieser Zoobesuch Dein letzter war.

Hinweis: Die Geschichte von “Fritz” vergangenem Leben und wie er in Gefangenschaft kam, hat stark narrativen Charakter. Natürlich weiß ich nicht, wie alles im Detail verlief.