Hundertwasser verfolgte eine ganz besondere Philosophie vom Menschen, der im Einklang mit der Natur lebt. Gerade heutzutage sollten wir darüber ernsthaft nachdenken.

Ich schreibe diesen Blogbeitrag im März 2018. Die letzten beiden Wochen herrschten Minustemperaturen wie ich sie noch nie zuvor in Deutschland erlebte. Es ist fast schon ironisch wie Donald Trump parallel dazu auf der anderen Seite des Atlantiks weiterhin die globale Erwärmung und die damit verbundenen Folgen leugnet. Egal. Die Realität ist negativ genug. Ich möchte mich lieber mit etwas Positivem beschäftigen. Warum also nicht an dem Punkt ansetzen und die Vision eines Mannes vorstellen, der schon vor vielen Jahrzehnten die Natur und den Umweltschutz in den Fokus seines künstlerischen Lebenswerks stellte. Ich denke an niemanden geringeren als den Künstler „Friedensreich Hundertwasser“. Ich begegnete seinen Arbeiten Ende des letzten Jahres in Wien und möchte Dir in diesem Beitrag meine Eindrücke und innere Begeisterung offenbaren.

Anzeige

Ich kenne mich nicht mit Architektur oder Malerei aus und kann hier keine fachliche Rezension zu seinem Schaffen verfassen. Im Grunde halte ich ohnehin nichts davon Kunst in Schubladen zu stecken und sie mit Fachjargon zu durchlöchern bis am Ende die Pfeiler einstürzen, die den Zauber ausmachen. Ich halte nicht viel davon Kunst mit dem Kopf zu durchdenken. Kunst sollte man fühlen und auf sich wirken lassen als individuelles Werk wie es da ist mit seinen Ecken und Kanten. Das gilt für die Malerei und Architektur genauso wie für die Musik und alle anderen Kunstformen. Ohne also auf die verwendeten Maltechniken, Materialien und dahinterliegenden Bildkompositionen einzugehen, kann ich vor allem eines sagen. Hundertwasser trifft mit seiner Kunst genau in das Zentrum meines Herzens und bestätigt zahlreiche Gedankengänge, die mich seit meiner frühen Kindheit begleiten. Ich konnte nie verstehen warum der Mensch immer mehr möchte. Warum es nur um Fortschritt geht und nicht um ein glückliches Sein im Hier und Jetzt. Die Menschen klettern auf hohe Leitern und versuchen die prachtvollsten und größten Früchte von ganz oben des Baumes zu erreichen. Dabei könnten sie die leckeren Früchte weiter unten vom Boden greifen und so völlig entspannt ihr Leben genießen. Stattdessen werden die Leitern immer höher bis letztlich die Stabilität nachlässt und sie einstürzen. Dazu kommt, dass die Früchte ganz oben meistens nur von unten zum Anbeißen aussehen. Wer schon mal ganz oben war, weiß, dass die meisten Früchte an der Krone des Baumes von den Raben zerfressen sind. Die Menschen streben völlig fremdgesteuert nach immer mehr Profit und schaufeln sich dabei ihr eigenes Grab. Sie zerstören die Umwelt, führen Kriege und manipulieren die Breite Masse mit verdrehten Beweggründen. Hundertwasser hätte es nicht besser sagen können als: „Wenn man vor dem Abgrund steht, dann ist der Rückschritt ein Fortschritt“.

In seinen Bildern lässt er die Welt wieder zum Leben erwachen. Statt grauen und starren Betonblöcken erstrahlen organische Formen in allen erdenklichen Farben, die unsere Netzhäute verarbeiten können. Einflüsse aus sämtlichen Kulturen dieser Erde schreien nach Toleranz und multikultureller Einigkeit. Seine Gebäude gehen Hand in Hand mit der Natur. Dabei folgt er dem Grundsatz, dass wir Menschen der Natur das zurückgeben müssen, was wir ihr nehmen. Das Ergebnis sind Bauten, die mich an das Auenland aus der Herr der Ringe erinnern und Kunstwerke die mit einem besonderen Charme der Villa Kunterbunt überzeugen. Aus ihnen ragen Bäume und die Dächer erstrahlen in grüner Frische. Wenn ich mir die Bilder so ansehe, fühlt sich die Luft plötzlich rein und gehaltvoll an. Ich schrecke auf und schließe das Fenster. Der eintretende Dieselgeruch stört meine Illusion.

Anzeige

Ich stelle mir die Frage was Hundertwasser wohl heute zu Donald Trump sagen würde? Natürlich kann ich die Frage nicht beantworten. Ich weiß nur, dass er sehr traurig gewesen wäre. Hundertwasser sagte einst „Die gerade Linie ist dem Menschen, dem Leben, der gesamten Schöpfung wesensfremd.“ Denkt man alleine an Trumps Frisur, wird die Antwort auf meine Frage obligatorisch. Hundertwasser sagte einst „Bei der Stapelung der Wohnungen nach oben geht zuerst der Mensch zugrunde und dann die Natur“. Denkt man an die Trump Towers wird meine Frage rhetorisch. Ich möchte diesen Beitrag mit einem weiteren Zitat von Hundertwasser schließen: „Wenn einer allein träumt, ist es nur ein Traum. Wenn viele gemeinsam träumen, ist das der Anfang einer neuen Wirklichkeit“. Lass uns gemeinsam träumen. Von einer Veränderung. Einer Veränderung die überfällig ist. Im Grunde haben wir gar keine andere Wahl. Ansonsten wird die Realität ein Albtraum.